Historie der Villa Goldbach

Ein Haus mit Tradition: Villa Goldbach

1884 | 1913 | 1925-29 | 1936 | 1945 | 1948 | 1957 | 1958-61 | 1964 | 1965 | 1965-85 | 1971 | 1982 | 1985-2008 | 2008-2015

1884

Herrmann Theis erbaute ein Wohnhaus nebst Stallungen. Das Grundstück erstreckte sich damals noch talabwärts entlang der Goekestraße.

1913

Die Familie Theis gehörte zu einer der wohlhabenden Familien in Bad Wildungen.
Laut eines Versicherungsscheins der Feuerversicherungsanstalt der Fürstentümer Waldeck und Pyrmont wurde das Wohnhaus in der Brunnenallee 18 zusammen mit weiteren Gebäuden im Namen von Pfilipp Theis am 05.September 1913 mitversichert.

1925-1929

Herrmann Theis war als Lebemann bekannt. Er wollte hoch hinaus und plante gerne. Mehrere Baupläne für Umbauten am Gebäude und die Aufstockung des Dachstuhls der damaligen Villa Theis wurden erstellt. Diese Pläne wurden jedoch nie umgesetzt.

1936

Am 23. Februar 1936 erteilte das Kreisverwaltungsgericht in Bad Wildungen Frau Helene Theis die erste Erlaubnis zum Betrieb eines Fremdenheims.

1945

Nach den Wirren des 2. Weltkrieges in denen auch die Villa Theis vermutlich von amerikanischen Besatzungstruppen zeitweilig bewohnt wurde, nahm Hermann Theis den Pensionsbetrieb wieder auf. Die Erlaubnis zur Weiterführung des Pensionsbetriebes laut Antrag vom 13. September 1945 wurde am 22. Januar 1946 erteilt.

1948

Die inzwischen verwitwete Helene Theis, geb. Kesting, stellte einen erneuten Antrag auf Weiterführung des Fremdenheims Theis. Im Grundbuch der Stadt Bad Wildungen wird ein Erbschein vom Amtsgericht mit Eintragung am 10. Dezember 1948 erwähnt.

1957

Erst am 30. April 1957 wurde Frau Helene Theis der ½ Anteil Ihres verstorbenen Mannes zugesprochen.

1958-1961

Mehrere Grundschuldeinträge und Grundschuldlöschungen sind vermerkt.
1959 nutzte Frau Theis diese Gelder unter Anderem für den Einbau einer damals modernen Warmwasserpumpenheizungsanlage mit Ölfeuerungsanlage.
Am 08. Februar 1960 erhielt Frau Theis von der Volksbank Bad Wildungen eine Kreditzusage für die Modernisierung von Altwohngebäuden in Höhe von 16.000 DM. Nach dieser aufwendigen Modernisierung warb das Fremdenheim Theis mit fließend Heiß- und Kaltwasser in jedem Zimmer um neue Gäste. Die beiden Toiletten mit Wasserspülung per Kettenzug im Treppenaufgang zwischen den Etagen sind heute noch erkennbar. Ein Speiseaufzug vom Küchentrakt im Keller bis in den Speisesaal in der ersten Etage sollte den Service erleichtern.

1961

Am 31. Juli 1961 erhielten der Bundesbahnamtsmann i. R. Friedrich Kesting und seine Frau Emma damals wohnhaft in Brühl bei Köln ein lebenslanges Einsitzrecht. Frau Ilse Hettmer geb. Kesting erhielt am 15. Mai 1962 ein lebenslanges Einsitzrecht.

1964

Am 23. Juni 1964 meldeten Karl und Anna Goldbach, geb. Schuch bei der Stadt Bad Wildungen die Übernahme der Fremdenpension durch Kauf an. Laut Konzessionsplan verblieben auch nach dem Verkauf noch zwei Zimmer im Besitz von Frau Theis.
Zu dieser Zeit betrieb die Familie Goldbach auch ein Taxiunternehmen, welches von der inzwischen verheirateten Tochter Anita Bertram weitergeführt wurde.

1965

Nahezu alle Jugendstilelemente die nach der großen Renovierung fünf Jahre zuvor nicht entfernt wurden, vielen jetzt dem sterilen Chic der Zeit zum Opfer. So wurde letztendlich der aufwendige, mit Buntglasfenstern geschmückte Eingangspavillon durch einen zweckmäßigen Anbau ersetzt. Dem Pensionsbetrieb fehlten Sanitärräume für die Gäste. Insgesamt vier Duschen und zwei zusätzliche Toiletten wurden gebaut.

1965-1985

Das Ehepaar Goldbach führte den Pensionsbetrieb nun unter dem Namen Kurpension Goldbach fort. Bad Wildungen, als renommiertes Heilbad besonders für Nieren- und Blasenerkrankungen, war ein Magnet für Kurgäste. Mit individuellen Ernährungsplänen, Diätküche und Heilwassertrinkkuren lockte das Ehepaar Goldbach seine Gäste. Vollpension war damals gefragter denn je. Täglich wurden drei üppige Mahlzeiten serviert. Freitags gab es Fisch und Samstags wurden in riesigen Kesseln auf dem Kohleofen Eintöpfe gekocht. Anna Goldbach, eine resolute Dame, führte den Betrieb mit starker Hand. Um Punkt 12.00 Uhr mittags wurden die Gäste per Gong zu Tisch gebeten. Verspätungen sah sie nicht gern. Für Ihre Enkel war es das Größte, auch einmal den Gong schlagen zu dürfen, denn das war sonst streng verboten. Auch das Personal, welches zeitweise im Hinterhaus wohnte, wurde von ihr angeleitet. Ob die tägliche Zimmerreinigung, Küchendienst, Gartenarbeit oder im Winter Teppiche im Schnee im Garten ausklopfen, sie hatte ein Auge darauf. Nachmittags verbrachte Anna Goldbach viele Stunden in der Waschküche und an der Heißmangel, denn erste Jahre später übernahm eine ortsansässige Wäscherei diese schweren Arbeiten. Ihr Ehemann, der ehemalige Stadtbauaufseher Karl Goldbach, hatte ein ruhigeres, sanfteres Wesen. Nach den täglichen Einkäufen im Großmarkt und seinem Einsatz in der Spülküche, saß er gerne in seiner Veranda mit Blick auf die Kurpromenade und beobachtete die Leute beim Flanieren während er Solitaire spielte. Er übernahm größtenteils die Gästebetreuung und die Annahme der Zimmerbuchungen, welche gerne noch per Postkarte getätigt wurden.

1971

Auf einer Flurkarte vom 10. September 1971 wurden erste Pläne zum Bau eines Wohn- u. Geschäftsgebäudes auf der Freifläche hinter der Villa an der Goekestraße vermerkt. Heute steht hier das Haus Gombert.

1982

An der linken Gebäudeseite wurde der Pavillon erweitert und umgebaut. Die alte Milchbar wurde zunächst von einem Café Restaurant abgelöst. Später entstanden Sport- und Modeboutiquen. Heute finden Sie hier den einzigen Märchenladen Deutschlands.

1985-2008

Der Pensionsbetrieb wurde von Lehrer Eduard, Sohn von Karl und Anna Goldbach, und seiner Frau Jutta Goldbach, geb. Lötzer übernommen. Nach 30 Jahren im laufenden Betrieb standen erneut aufwendige Renovierungsarbeiten an. 1989 wurde die alte Heizung durch eine moderne Gastherme ersetzt. Alle Zimmer wurden entkernt und komplett neu ausgestattet. Bäder wurden angelegt und das Konzept wurde zur Frühstückspension geändert. Über 20 Jahre lang führte Jutta Goldbach, als Pächterin, erfolgreich die Pension Goldbach. Jutta Goldbach war eine lebensfrohe, fleißige und engagierte Frau. Sie war sich für keine Tätigkeit zu schade und durch ihr offenes, geselliges Wesen bei Gästen beliebt. Eduard Goldbach stand ihr nach dem Schuldienst unterstützend zur Seite. Im September 2008 verstarb Jutta Goldbach im Alter von 55 Jahren nach langem Krebsleiden.

2008-2015

Am 01. Januar 2008 übernahm Martina Lippe, geb. Goldbach, zusammen mit Ihrem Mann Mike Lippe das Hotel-Pension Goldbach. In den letzten Monaten vor ihrem Tod stand Jutta Goldbach ihrer Tochter und ihrem Schwiegersohn beratend zu Seite. Unter der neuen Leitung wurde der Betrieb ein weiteres Mal renoviert und modernisiert. Besonders im Bereich Technik und Onlinemarketing brach nun für die alte Villa ein neues Zeitalter an. Auch das Konzept passte sich dem Zeitgeist an. In den letzten Jahren wurden nicht nur alle Zimmer renoviert, sondern auch die öffentlichen Bereiche umgestaltet. Aktuell wurde die vierte neue Heizungsanlage installiert. Bis heute wirbt die Villa Goldbach, als eine Alternative zum Hotel, mit Ferienwohnungen, Appartements und Zimmern ohne Verpflegung.

Quellennachweis: Original Baupläne, diverse Schriftstücke, Grundbucheinträge und Fotos wurden von Generation zu Generation weitergegeben und befinden sich noch heute in unserem Besitz. Auf diesen Unterlagen basieren alle oben angegebenen Daten. Aus reinem persönlichen Interesse habe ich, Martina Lippe, diese Informationen und meine Erinnerungen an meine Mutter und meine Großeltern zusammengetragen. Für die Richtigkeit der Angaben übernehme ich keine Gewähr.